Was du als Geschäftsführer wissen musst

Innen- vs. Außenhaftung in einer GmbH

Die Haftung in der GmbH ist klar geregelt: Geschäftsführer und Gesellschafter haften nicht mit dem Privatvermögen. Das klingt verlockend, doch ganz so einfach ist es nicht – wir zeigen dir Ausnahmen, in denen Geschäftsführer, Gesellschafter oder beide trotzdem ihr Privatvermögen heranziehen müssen und was der Unterschied zwischen der sog. Innen- und Außenhaftung ist.

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Grundsatz der Haftung der GmbH

Geschäftsführer können grundsätzlich nicht nur gegenüber der Gesellschaft selbst, sondern auch gegenüber Dritten (beispielsweise Vertragspartnern, Behörden oder Arbeitnehmern) haften

Die Haftung gegenüber der GmbH bezeichnet man als „Innenhaftung“, während die Haftung des Geschäftsführers gegenüber Dritten „Außenhaftung“ genannt wird. Die Unterscheidung ist rechtlich bedeutend, da Innen- und Außenhaftung jeweils andere Voraussetzungen und Fallgruppen und somit ein anderes Haftungsrisiko haben.

Geschäftsführer können also sowohl gegenüber der Gesellschaft („Innenhaftung“) als auch gegenüber Dritten („Außenhaftung“) haften.

Bei GmbH und UG haften Gesellschafter grundsätzlich nur mit ihrem Anteil am Stammkapital. Im Grundsatz ist die Haftung somit gegenüber Gläubigern beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen.

In einigen Fällen kann jedoch der Geschäftsführer einer GmbH mit seinem Privatvermögen haftbar gemacht werden. Diese Fälle umfassen die Haftung gegenüber Dritten, der Gesellschaft als solcher, sowie gegenüber den Gesellschaftern.

Unterschiede zwischen Innen- und Außenhaftung

Innenhaftung

Handelt der GmbH-Geschäftsführer rechtswirksam, haftet grundsätzlich nur die GmbH im Außenverhältnis für Schäden, die Dritten hierdurch entstanden sind. Dies entspricht dem Sinn und Zweck der GmbH als Kapitalgesellschaft, das Privatvermögen der hinter der Gesellschaft stehenden Gesellschafter und der für die GmbH handelnden Geschäftsführer zu schützen.

Wann haftet der Geschäftsführer gegenüber der GmbH?

Geschäftsführer haften der Gesellschaft unter folgenden Voraussetzungen:

  • Der GmbH ist ein Schaden entstanden.
  • Der Geschäftsführer hat vorsätzlich oder fahrlässig eine ihm obliegende Pflicht verletzt.
  • Zwischen dieser Pflichtverletzung und dem Schaden besteht ein Zusammenhang.

Insbesondere die Fahrlässigkeit ist oft der entscheidende Punkt. Geschäftsführer einer GmbH müssen ihren Pflichten mit der „Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes“ nachkommen. Sie müssen sich also so verhalten, wie man es von einem Geschäftsmann in verantwortlich leitender Position bei selbstständiger Wahrnehmung fremder Vermögensinteressen erwarten kann.

Was genau hierunter zu verstehen ist, ist von Fall zu Fall verschieden. Ein ordentlicher Geschäftsmann wird sich aber auf jeden Fall an alle gesetzlichen Vorgaben halten und dafür Sorge tragen, dass sich auch Angestellte der GmbH vorschriftsmäßig verhalten.

Beispiele für Pflichtverstöße

  • Der Geschäftsführer lässt die Finanzlage aus dem Blick, erkennt eindeutige Krisenanzeichen nicht oder sieht von einer entsprechenden Information an Gesellschafter und Aufsichtsrat ab.
  • Der Geschäftsführer leistet nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung noch Zahlungen, die nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters vereinbar sind (grds. z.B. Rückführung von Gesellschafterdarlehen).
  • Der Geschäftsführer sorgt nicht dafür, dass die Gesellschaft ordnungsgemäß Buch führt. Dadurch können der GmbH Bußgelder und steuerliche Nachzahlungspflichten auferlegt werden, die die GmbH vom Geschäftsführer ersetzt verlangen wird.
  • Es wird ein nachteiliger Vertrag abgeschlossen, ohne die erforderlichen Zustimmungen anderer Gremien einzuholen (insbes. des Aufsichtsrats).
  • Der Geschäftsführer schließt (insbes. Finanz-)Geschäfte ab, die nicht dem Unternehmenszweck entsprechen und hochriskant sind.

Bei unternehmerischen Entscheidungen wird dem Geschäftsführer allerdings ein weiter Ermessensspielraum zugestanden. Beachtet er diesen Maßstab nicht, handelt er fahrlässig und haftet persönlich und unbeschränkt für Schäden, die der GmbH entstehen.

Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass nicht jede Fehlentscheidung des Geschäftsführers zu einer Haftung führt. Es kann nicht erwartet werden, dass er jede Unwägbarkeit voraussieht. Solange wie der Geschäftsführer die notwendige Sorgfalt beachtet, haftet er auch für Schäden aufgrund einer Fehlentscheidung nicht. Dies gilt auch, wenn er Risiken eingeht.

Beispiel: Geschäftsführer A entschließt sich, Geld der GmbH in ein riskantes Geschäft (Beispielsweise Investitionen in Russland) zu investieren. Wenig später kommt es unerwartet zu wirtschaftlichen Turbulenzen, das Geschäft scheitert und das Geld ist verloren. A hat hier zwar eine Fehlentscheidung getroffen, jedoch hätte er diese Entwicklung nicht voraussehen können. Solange wie das Investment der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes entsprach, haftet A der GmbH nicht.

Weitere Beispiele geordnet nach Unternehmens-Phase

Pflichten in der Gründungsphase
  • Gewerbeanmeldung
  • Richtige Angaben auf Geschäftspapier
  • Arbeitnehmer bei Krankenkassen anmelden
  • Buchhaltung einrichten
  • Haftung wegen wahrheitswidriger Angaben bei HR-Eintragung
Haftungsrisiken beim Betreiben der GmbH
  • Form- und Fristvorschriften bei Einberufung der Gesellschafterversammlung
  • Haftung bei verbotener Konkurrenztätigkeit (Wettbewerbsverbot)
  • Haftung wegen eines Vertragsschlusses, der für die Gesellschaft keinerlei messbaren Nutzen, jedoch erhebliche Kosten gebracht hat
  •  Abschluss übermäßig riskanter Kreditgeschäfte
  • Verjähren lassen von/ Verzicht auf realisierbare Forderungen
  • Durchführung von Geschäften, die dem Gesellschaftszweck widersprechen
  • Haftung bei ungesetzlicher Rückzahlung von Stammeinlagen
Haftungsrisiken in der Krise
  • Haftung wegen verspäteter Insolvenzantragstellung
  • Haftung, weil die Gesellschafterversammlung nicht über 50%igen Verlust des Stammkapitals informiert worden ist
  • Haftung für Zahlung nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Feststellung der Überschuldung der Gesellschaft
  • Haftung des Geschäftsführer bei der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), wenn die Gesellschafterversammlung nicht schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit einberufen wird
  • Haftung des Geschäftsführers, wenn er Zahlungen an die Gesellschaft leistet, die zur Zahlungsunfähigkeit führen mussten

Außenhaftung

Dritte – also insbesondere Geschäftspartner der GmbH – können Geschäftsführer grundsätzlich nicht in Anspruch nehmen. Sie müssen sich stattdessen an die GmbH wenden, denn für diese werden die Geschäftsführer als Organ tätig.

Wann können Dritte den Geschäftsführer dennoch in Anspruch nehmen?

In Ausnahmefällen haftet der Geschäftsführer jedoch auch selbst gegenüber Dritten. Folgende praxisrelevante Beispiele sind besonders wichtig:

  • Bei einem Gesellschafterwechsel müssen Geschäftsführer diese Veränderung unverzüglich dem Handelsregister mitteilen. Andernfalls haften sie den Gläubigern der Gesellschaft für Schäden, der aufgrund der Verzögerung entstehen.
  • Geschäftsführer sind verpflichtet, Steuern und Sozialabgaben der Arbeitnehmer abzuführen und haften bei einer Pflichtverletzung; diese Pflichten umfassen die Entrichtung von Steuer, das Führen von Büchern und Aufzeichnungen, die Abgabe und Berichtigung von Steuererklärungen, sowie die Erteilung von Auskünften und Mitteilungen. Seine Haftung umfasst auch Säumniszuschläge, die infolge der Pflichtverletzung zu zahlen sind, § 69 AO.
  • Der Geschäftsführer ist verpflichtet, – wenn nötig – einen Insolvenzantrag zu stellen. Kommt er dieser Pflicht nicht oder nur verspätet nach, haftet er den Gläubigern der Gesellschaft auf Schadensersatz. Man spricht von Insolvenzverschleppung.
  • Wenn Geschäftsführer für die GmbH tätig werden und in deren Namen Geschäfte machen wollen, muss das für den Geschäftspartner erkennbar sein. Beispielsweise indem das Briefpapier der Gesellschaft benutzt oder als Geschäftsführer der GmbH unterzeichnet wird. Kann der Geschäftspartner hingegen davon ausgehen, dass er mit dem Geschäftsführer selbst Verträge schließt, haftet letzterer für die so zustande gekommenen Verpflichtungen persönlich.
  • Geschäftsführer können bereits vor der Entstehung der GmbH für ihre Handlungen haften. So müssen sie die GmbH beispielsweise beim Handelsregister anmelden und schließen unter Umständen auch bereits Verträge mit Dritten ab. In diesem Fall droht eine Außenhaftung („Handelndenhaftung“).
  • Daneben haftet der Geschäftsführer auch hier unter Umständen ggü. Dritten direkt, wenn er sich strafbar macht.

Besonderheiten

Wer haftet bei mehreren Geschäftsführern?

Hat die GmbH mehrere Geschäftsführer, trifft die Pflicht zur Geschäftsführung grundsätzlich jeden Einzelnen. Erleidet die Gesellschaft nun aufgrund eines gemeinsamen Handelns einen Schaden, so sind auch alle Geschäftsführer haftbar.

Die Gesellschaft befindet sich dann in einer starken Position: Sie kann sich aussuchen, von wem Sie Schadensersatz fordern will. Denn die Geschäftsführer sind „Gesamtschuldner“. Dem in Anspruch genommenen Geschäftsführer bleibt dann nur der spätere Rückgriff auf seine Kollegen.

Wann verjähren Ansprüche?

Ansprüche von Gesellschaft oder Insolvenzverwalter: Möchte die Gesellschaft Schadensersatz von einem Geschäftsführer aufgrund sorgfaltswidrigen Handelns fordern, so hat sie hierfür 5 Jahre. Diese Frist beginnt ab dem Schadenseintritt zu laufen – auch dann, wenn die Gesellschaft keine Kenntnis von dem Vorfall hat. In vielen Fällen macht der Insolvenzverwalter diese Ansprüche für die GmbH geltend.

Ansprüche Dritter: Dritte müssen sie sich hingegen an die allgemeinen Verjährungsregeln halten. Welche Fristen genau gelten, hängt vom geltend gemachten Anspruch ab. Oft beträgt die Verjährungsfrist 3 Jahre.

Wie kann man sich vor der Haftung schützen?

Der beste Schutz vor Haftungsansprüchen ist selbstverständlich ein sorgfältiges und ordnungsgemäßes Verhalten. Jedoch kann selbst der vorsichtigste Geschäftsführer entsprechende Risiken nie vollständig vermeiden.

Für solche Fälle kann sich der Geschäftsführer durch eine D&O- oder Berufshaftpflichtversicherung absichern. Oft schließt die GmbH selbst diese Versicherung für ihre/n Geschäftsführer ab. Zu beachten ist aber, dass die Vereinbarung von Selbstbehalten üblich ist. Ganz ohne Einbußen kommen Geschäftsführer daher nicht aus einem Haftungsfall. Zudem sträuben sich viele Versicherer oft, Zahlungen zu leisten und fordern umfangreiche Untersuchungen.

Geschäftsführer einer GmbH sollten daher insbesondere die folgenden Bereiche im Auge behalten:

  • Stammkapitalerhaltungspflicht
  • Insolvenzantragspflicht
  • Aufnahme der Geschäftstätigkeit vor Eintragung der GmbH in das Handelsregister
  • Falsche Angaben gegenüber dem Handelsregister
  • Steuerliche Zahllasten
  • Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung
  • Riskante oder sonstige pflichtwidrige Geschäfte
  • Überschreitung von Befugnissen im Innenverhältnis

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